Off-Market & Secret Sale: Diskretion um jeden Preis?

Begriffe wie „Off-Market“, „Secret Sale“, „Hidden Market“ oder „diskrete Vermarktung“ klingen exklusiv und vielversprechend. Sie vermitteln den Eindruck, eine Immobilie werde nur einem ausgewählten Kreis besonders solventer Interessenten angeboten.

Doch was für Käufer attraktiv sein kann, ist für Verkäufer nicht automatisch die beste Lösung. Denn eine stark eingeschränkte Sichtbarkeit bedeutet regelmäßig auch: weniger Nachfrage, weniger Wettbewerb und oftmals ein geringerer Verkaufserlös.

Warum Off-Market-Verkäufe häufig Erlöspotenzial verschenken

Das Ziel einer professionellen Immobilienvermarktung sollte darin bestehen, den bestmöglichen, am Markt erzielbaren Kaufpreis zu erreichen. Voraussetzung dafür ist, dass eine Immobilie den relevanten Kaufinteressenten überhaupt bekannt wird.

Wie bei nahezu jedem hochwertigen Produkt hängt auch der erfolgreiche Immobilienverkauf entscheidend davon ab,

  • wie professionell das Angebot präsentiert wird,
  • welche Reichweite erzielt wird,
  • wie viele geeignete Interessenten angesprochen werden und
  • ob zwischen mehreren Kaufinteressenten ein echter Wettbewerb entsteht.

Eine Immobilie, die öffentlich nicht sichtbar ist und lediglich einem kleinen internen Netzwerk angeboten wird, wird dem tatsächlichen Markt dagegen nur sehr eingeschränkt ausgesetzt. Ein großer Teil der potenziellen Käufer erfährt niemals von dem Angebot und kann folglich weder Interesse bekunden noch ein Kaufangebot abgeben.

Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, genau denjenigen Käufer zu erreichen, für den die Immobilie aufgrund ihrer Lage, ihrer Nutzungsmöglichkeiten oder persönlicher Umstände einen besonders hohen Wert besitzt.

Viele Käufer suchen nicht aktiv – bis sie die passende Immobilie entdecken

Unsere Erfahrung zeigt: Ein erheblicher Teil der späteren Käufer befand sich ursprünglich gar nicht auf einer konkreten Immobiliensuche.

Das Interesse entstand erst durch den Kontakt mit einem professionell präsentierten Angebot – beispielsweise über Immobilienportale, soziale Netzwerke oder gezielte Online-Werbung. Häufig erkennen Interessenten erst beim Entdecken einer Immobilie eine besondere Gelegenheit: etwa weil sie die Lage bereits kennen, Angehörige in der Umgebung wohnen oder das Objekt genau eine bislang nicht bedachte Perspektive eröffnet.

Bei rund der Hälfte unserer erfolgreich vermittelten Immobilien kam der spätere Käufer erst durch die aktive Vermarktung auf das Objekt. Nur etwa jeder zehnte Käufer stammte unmittelbar aus unserem bereits vorhandenen Netzwerk oder einem bestehenden Suchauftrag.

Ein ausschließlich interner Verkauf hätte diese Käufer möglicherweise niemals erreicht.

Wem nutzt eine Off-Market-Vermarktung?

Off-Market-Angebote werden häufig innerhalb geschlossener Investoren-, Vermittler- oder Geschäftskreise weitergegeben. Die Beteiligten kennen sich, arbeiten regelmäßig miteinander oder profitieren von wiederkehrenden Geschäftsbeziehungen.

Das kann eine schnelle und unkomplizierte Abwicklung ermöglichen. Gleichzeitig liegt der Vorteil einer solchen Struktur häufig eher auf Käuferseite: Je weniger Interessenten von einem Angebot erfahren und je geringer der Wettbewerb ist, desto größer ist die Chance, eine Immobilie zu besonders günstigen Konditionen zu erwerben.

Für Verkäufer stellt sich deshalb die entscheidende Frage:

Wurde tatsächlich der bestmögliche Käufer gefunden – oder lediglich der nächstgelegene Käufer aus einem vorhandenen Netzwerk?

Die Illusion vom geheimen Käufernetzwerk

Off-Market-Plattformen werben oftmals mit exklusiven Kontakten zu vermögenden Privatpersonen, Family Offices oder institutionellen Investoren. Die Vorstellung eines geheimen Netzwerks besonders finanzstarker Käufer klingt faszinierend – sollte jedoch kritisch hinterfragt werden.

Professionelle und kapitalstarke Marktteilnehmer beobachten den Immobilienmarkt in der Regel ohnehin kontinuierlich oder beschäftigen eigene Mitarbeiter und Dienstleister mit der Prüfung geeigneter Angebote. Sie sind daher nicht zwingend auf kostenpflichtige Geheimplattformen angewiesen.

Hinzu kommt: Einige Off-Market-Plattformen finanzieren sich über vergleichsweise hohe Mitglieds- oder Vermittlungsgebühren. Je höher jedoch die Zugangshürden sind, desto kleiner wird zwangsläufig der Kreis der Personen, die ein Angebot tatsächlich sehen können.

Exklusivität ist deshalb nicht automatisch mit Reichweite, Nachfrage oder einem besseren Verkaufsergebnis gleichzusetzen.

Wann kann ein diskreter Verkauf sinnvoll sein?

Es gibt Situationen, in denen eine vertrauliche Vermarktung nachvollziehbar und sinnvoll sein kann – insbesondere dann, wenn die Privatsphäre wichtiger ist als die vollständige Ausschöpfung des Kaufpreispotenzials.

Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn

  • der Eigentümer in besonderem Maße in der Öffentlichkeit steht,
  • die Immobilie aufgrund ihrer Nutzung oder ihrer Bewohner sehr exponiert ist,
  • geschäftliche oder persönliche Interessen äußerste Vertraulichkeit erfordern oder
  • eine öffentliche Vermarktung unerwünschte mediale Aufmerksamkeit auslösen könnte.

In solchen Fällen kann ein diskreter Verkauf bewusst gewählt werden. Dem Eigentümer sollte jedoch klar sein, dass die eingeschränkte Reichweite einen Preis haben kann: weniger Wettbewerb und möglicherweise einen geringeren Verkaufserlös.

Unser Grundsatz: Diskret, wenn erforderlich – sichtbar, wenn erfolgentscheidend

Diskretion und eine professionelle Vermarktung schließen sich nicht aus. Auch eine öffentlich angebotene Immobilie kann so präsentiert werden, dass die Identität des Eigentümers geschützt und sensible Informationen nur geprüften Interessenten zugänglich gemacht werden.

Unser Anspruch besteht deshalb nicht darin, eine Immobilie möglichst geheim zu halten, sondern sie so gezielt, hochwertig und kontrolliert zu vermarkten, dass der bestmögliche Käufer erreicht wird.

Denn ein guter Immobilienverkauf lebt nicht von geheimnisvollen Begriffen, sondern von professioneller Präsentation, wirksamer Reichweite, qualifizierter Interessentenprüfung und einem nachvollziehbaren Wettbewerb.

Wer den bestmöglichen Verkaufspreis erzielen möchte, sollte den Markt nicht ausschließen – sondern ihn professionell nutzen.